Wie definiert sich eine Hobby/Liebhaberzucht und wie grenzt sie sich von einer kommerziell orientierten Zucht ab

 

 

Vorausschicken möchte ich Auszüge eines interessanten Textes zum Thema

 

Gewerbliche und gewerbsmäßige Hundezucht

Von Jörg Bartscherer, Assessor

 

Auch wenn der VDH-Züchter seine Zucht als reines Hobby betreibt und für ihn der Tierschutz und das Kynologische im Vordergrund stehen, so hat er sich dennoch mit den Begriffen „gewerbsmäßige Hundezucht“ und „gewerbliche Hundezucht“ zu befassen. Schließlich kann auch die Hobbyzucht als „gewerbsmäßig“ und/oder „gewerblich“ einzustufen sein. Zwischen einer gewerbsmäßigen und einer gewerblichen Hundezucht bestehen allerdings erhebliche Unterschiede!

 

Eine erlaubnispflichtige „gewerbsmäßige“ Zucht i.S.d §11 I Nr. 3 Tierschutzgesetz wird laut der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Durchführung des Tierschutzgesetzes immer dann vermutet, wenn eine Haltungseinheit den Umfang von drei oder mehr fortpflanzungs- fähige Hündinnen oder die Absatzmenge von drei oder mehr Würfen pro Jahr erreicht. Die Erlaubnis ist beim zuständigen Veterinäramt ein- zuholen.

 

Aber Achtung, es handelt sich bei der in der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zum Tierschutzgesetz aufgeführten Definition um eine norm- auslegende Verwaltungsvorschrift, einer sogenannten Regelvermutung, von der abgewichen werden kann.

Es können durchaus geringere Anforderungen die Annahme einer Gewerbsmäßigkeit begründen. Deshalb sollte schon bei geringsten Zweifeln, ob die eigene Zucht nicht doch dem Bereich der Gewerbsmäßigkeit zuzuordnen ist, in jedem Fall eine Abstimmung mit dem zuständigen Veterinäramt erfolgen. Ein Verstoß gegen eine etwaige Erlaubnispflicht kann zu erheblichen Sanktionen führen.

 

Wichtig ist auch, dass Hündinnen, die das achte Lebensjahr bereits erreicht haben und im VDH nicht mehr zur Zucht eingesetzt werden dürfen, für den Gesetzgeber ebenso als „zuchtfähig“ gelten, wie Hunde, die laut Zuchtordnung des jeweiligen Rassehundezuchtvereins zwar erst ab dem 15 – 24 Lebensmonat erstmalig belegt werden dürfen, die aber zu- vor schon läufig waren. Es kommt allein auf die potentielle Zuchtfähigkeit an.

 

Hiervon zu trennen ist die Frage, wann eine „gewerbliche“ Hundezucht vorliegt, die sich nicht aufgrund des Tierschutzgesetzes beantworten lässt, sondern maßgeblich in der Gewerbeordnung geregelt ist.


Die Gewerbeordnung selbst liefert keine Legaldefinition des Begriffes „Gewerbe“, sondern setzt diesen nur als unbestimmten Rechtsbegriff, der u.a. durch die Rechtssprechung zu füllen ist. Als grober Merksatz lässt sich festhalten, dass grundsätzlich jede wirtschaftliche Tätigkeit,  die auf eigene Rechnung, eigene Verantwortung und auf Dauer mit der Absicht zur Gewinnerzielung betrieben wird, als Gewerbe zu werten ist.

 

Ob eine Hundezucht als „gewerblich“ einzustufen ist, kann nur anhand des Einzelfalls beurteilt werden. Auch hier ist dringend geraten, sich bei geringsten Zweifeln mit der zuständigen Behörde, meist dem Gewerbe- amt, abzustimmen. Die Einstufung einer Hundezucht als Gewerbe führt u.a. zu besonderen steuerrechtlichen Pflichten und damit korrespon- dierenden Dokumentationspflichten.

 

Zwar ist der Begriff „gewerbliche Hundezucht“ streng von dem Begriff der „gewerbsmäßigen Hundezucht“ abzugrenzen, es kann aber der Fall eintreten, dass bei einer Hobbyzucht beide Eigenschaften zu bejahen sind.

 

Die Anmeldung eines Gewerbes kann in Zeiten steigender Hundesteuersätze und dem erkennbaren Trend der Gemeinden, die Zwingersteuer abzuschaffen, finanzielle Erleichterungen für Züchter mit sich bringen.  (...)

Der VDH hat der Gesamtproblematik bereits vor geraumer Zeit Rechnung getragen und den Begriff des kommerziellen Hundehandels angepasst:


Kommerzieller Hundehandel liegt vor, wenn die Zucht nicht den Anforderungen der VDH-Zuchtordnung, den Zuchtordnungen der die Rasse betreuenden Mitgliedsvereine und den VDH-Mindesthaltungsbedingungen entspricht und die Zucht nicht aus Gründen der Liebhaberei betrieben wird.

 

Durch diese Formulierung ist es dem VDH-Züchter möglich, ein Gewerbe anzumelden, sofern er die übrigen Voraussetzungen, die der VDH und seine Mitgliedsvereine an das Züchten stellen, beachtet.

 

 

 

Der Text lässt sich selbstverständlich auch auf alle Züchter ausserhalb des  VDH anwenden.

 

Der Unterschied zwischen den Begriffen "gewerbsmässige Zucht" und "gewerbliche Zucht" soll hier aber nicht das eigentliche Thema sein.

 

Es stellt sich vielmehr die Frage, wie man den Begrifs der Zucht die aus Liebhaberei betrieben wird, also die Liebhaber- bzw Hobbyzucht am besten definiert .

 

Hier sind  ein paar erste, verschiedene Definitionsvorschläge:

 

von einer Liebhaberzucht kann man noch sprechen wenn

 

  1. nicht mehr als 3, maximal vier aktive Zuchthündinnen im Haushalt leben (Rentnerinnen zählen nicht).
  2. Der Züchter mit jeder Hündin nur einen Wurf pro Kalenderjahr hat
  3. der Züchter in der Regel nicht mehr als 2 Würfe gleichzeitig liegen hat
  4. Mütter und Welpen sich im Lebensbereich des Züchters, nicht in separaten Hundezimmern befinden.
  5. das Rudel des Züchters im Laufe mehrere Jahre natürlich gewachsen ist, (die Hündinnen sind nicht systematisch gleichzeitig gekauft worden).
  6. nicht das ganze Jahr Welpen im Haus sind.
  7. der Züchter genug Zeit hat, allen Hunden des Rudels gerecht werden zu können (genau definieren was gerecht werden bedeutet)
  8. der Züchter nur eine Rasse züchtet, maximal zwei, dann aber nicht mehr als 2 Hündinnen pro Rasse in der Zucht hat.
  9. der Züchter nicht systematisch seine Seniorinnen weggibt.

 

Diese 9 Punkte haben sich nach einer Umfrage verschiedener Züchter (aus verschiedenen Vereinen) herauskristallisiert.  Nicht bei jedem Punkt herrschte Einigkeit.
Dazu muss noch Folgendes hinterhergeschickt werden:

Vor allem anderen scheinen sich Profizüchter/Großzüchter und Liebhaberzüchter /Hobbyzüchter  dadurch voneinander zu unterscheiden, dass der eine viele Hunde hält, der andere nur wenige. Das ist aber nur teils richtig.

 

Man kann auch als Kleinstzüchter mit 2 Hunden von seiner Einstellung her ein Vermehrer sein und selbst der Profizüchter muss nicht systematisch ein Vermehrer sein.  
Beide können aber von ihrer Einstellung zur Zucht her sowohl Vermehrer als auch „echte" Züchter sein.
Unter Vermehrer ist Folgendes zu verstehen:  jemand dem es in erste Linie darum geht, gesunde Welpen hervorzubringen, mehr möchte er nicht. 
Solche Vermehrer müssen nicht aus Geldgier handeln, und können durchaus nur eine oder 2 Hündinnen haben.
Geld zu verdienen kann aber-vor allem wen sehr viele Hunde vorhanden sind, ein Motiv sein.
 
Entscheidend  ist in erster Linie, ob der Züchter das Ziel hat die Rasse voranzubringen und zu verändern, ob er ein persönliches Zuchtziel hat, die nötige Fachkenntnis und die Portion Leidenschaft die es braucht, um es zu verfolgen. 
 
Tut und hat er das nicht, dann muss man erst einmal davon ausgehen dass er ein Vermehrer ist.
 
Setzen wir also mal voraus, dass sowohl Kleinzüchter als auch Großzüchter „echte Züchter“ sind:
Um zwischen „ Profi" und Liebhaber unterschieden zu können, muss man trotz allem bei der Anzahl der Würfe pro Jahr und auch bei den Zuchthündinnen irgendwo eine Grenze ziehen. Wo die zu liegen hat ist zwar subjektiv, aber bei der Mehrheit der von mir Befragten liegt ein Liebhaberzüchter ungefähr bei 3 bis 4 Zuchthündinnen und bis zu 3 bis 4 Würfen im Jahr.
 
Der Profi geht systematisch vor, er macht züchterisch alles richtig: er sortiert aus was seinem Zuchtziel nichts nützt, er hat eine hohe Rotation, er sucht sich die verschiedensten Deckrüden (hält sie vermutlich selber oder hat sie platziert), er ist in der Lage, sein Ziel nach wenigen Jahren zu erreichen. Der Liebhaber geht nicht mit solchem Kalkül und solcher Zielstrebigkeit vor.
 
Die Frage ist nun: wieviel Profi soll und darf in einem Liebhaberzüchter stecken? Denn etwas Profi muss ja in ihm stecken, soll die Rasse vorankommen.
 
Vielleicht ist der Mittelweg der richtige : nicht zuviel Hunde, nicht zuviel Rotation, aber dennoch ein klares Zuchtziel, das verfolgt wird.
 
Konkret: Man hat eine vernünftige Anzahl Zuchthündinnen, man behält Nachzucht, sortiert diese aus wenn sie nicht geeignet ist, man behält vielleicht nicht alle Rentnerinnen, aber einen Teil schon und nimmt damit in Kauf, nach ein paar Jahren eben sein persönliches Hundelimit erreicht zu haben und mit der Zucht ein paar Jahre pausieren zu müssen bis der Tod Platz geschaffen hat und es weitergehen kann. 
 
Die Sache mit den Rentnerinnen ist für viele Laien sogar ein ganz entscheidendes Kriterium bei der Unterscheidung zwischen Liebhaberzüchter und Profi.
Der Profi behält sie nicht, sie nehmen den Platz einer Hündin weg, mit der gezüchtet werden könnte,  ein solcher Züchter möchte vermeiden, dass seine Zucht ins Stocken gerät.
Der reine Liebhaber behält zumindest den grossen Teil seiner Rentnerinnen bis zum Tod, bei ihm hat der Aspekt des Hundes als Haustier, als Familienmitglied Priorität.
 
 
Zum Begriff der Zucht aus Liebhaberei gehört für viele auch, nur einer einzigen Rasse seine Energie zu widmen, oder maximal 2 Rassen, dann aber nicht von jeder Rasse die maximale Anzahl von 4 Hündinnen zu haben, sondern selbst mit 2 Rassen maximal 4 Würfe pro Jahr nicht zu überschreiten.
Tut der Züchter es doch und hat 7 oder 8 Würfe pro Jahr, ist er schon ein Stück weit in die Profiecke gerutscht -  die Zucht ist dann im Grunde zu gross, um noch als Liebhaberei ohne kommerziellen Aspekt zu gelten.
 

Schlussfolgerung

 

ein Liebhaberzüchter kann und soll durchaus kalkuliert und zielgerichtet vorgehen, die Zucht professionell und fachgerecht angehen, auf keinen Fall sollte aber bei ihm der kommerzielle Aspekt im Vordergrund stehen - in diesem Zusammenhang sollte er folglich nicht zuviel aktive Zuchthunde halten bzw. nicht zuviel Würfe pro Jahr ziehen. Die Gewichtung liegt dabei eher auf der Anzahl der gezogenen Würfe pro Jahr. 

Wir legen hier die Zahl von maximal 4 aktiven Zuchthündinnen, und mit diesen 4 Hündinnen maximal 4 gezogene Würfe pro Jahr als Richtwert fest. 

Hat ein Züchter übergangsweise 5 oder gar 6 Hündinnen in der Zucht, zieht aber dennoch nur 3 oder maximal 4 Würfe im Jahr, so ist das eher als Liebhaberei zu werten als der Fall, in dem der Züchter drei Hündinnen hat, aber 4 Würfe zieht.

 

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Diese Gedanken sind natürlich wie gesagt subjektiv und so mancher mag ganz andere Ansichten zum Thema haben. Es soll auch lediglich ein Versuch sein, sich der Thematik anzunähern.

 

 

(Dezember 2017)